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2012: Wohin fährt der EE-Zug?
Alwin Ertl für dieoberpfalz.de  20.12.2011
Der Sonne entgegen? Originalfoto (c) Marcus Wong (Flickr)
Der Sonne entgegen? Originalfoto (c) Marcus Wong (Flickr)
Baustopp.Winterpause. Und wie jedes Jahr wieder die Frage: Wie wird es im neuen Jahr weiter gehen? Was bringen die Erneuerbaren Energien im nächsten Jahr Erzeugern und Verbrauchern? Ein Versuch einer Bestandsaufnahme.

Fukushima. Eine Reaktorexplosion im fernen Japan erschüttert Deutschland und zwingt die Regierungskoalition zum Ausstieg aus dem Ausstieg vom Ausstieg. Zahlreiche Atomkraftwerke in Deutschland werden auf Standby gefahren. Und nie tobte die Diskussion um Erneuerbare Energien heißer als im Jahr 2011.

Die Grundsatzfrage lautet dabei: Auf welche Art von Energieversorgung soll man setzen? Zentral, kommunal, oder gar autark?

Die Energiekonzerne lassen nicht locker fast jede Art von dezentraler Energieproduktion als Teufelswerk zu verdammen und malen für den Endverbraucher steigende Energiepreise an die Wand, wegen des erforderlichen Netzausbaus. Die Speerspitze dieser Bewegung ist die Triade Kauder / Hasselfeldt / Brüderle (CDU bzw. FDP), die allen Ernstes eine Zubaubegrenzung für Solaranlagen auf 1000 MW(p) pro Jahr fordern, wie das Handelsblatt meldete. [1] Kämen sie mit einer solchen Forderung durch, wäre das das Ende der Erneuerbaren Energien in Privathand in Deutschland.
Bleiakkumulatoren werden für die private Energieversorgung wieder interessant. Foto: Thomas Wydra (Wikimedia Commons)
Bleiakkumulatoren werden für die private Energieversorgung wieder interessant. Foto: Thomas Wydra (Wikimedia Commons)
Nun ist es aber nicht so einfach, Kommunen den Aufbau eigener Energieversorgungsnetze zu verbieten. Deswegen schreibt auch die Agentur für Erneuerbare Energien, dass sich derzeit ein Umbau der Energieproduktion 'von unten' vollzieht: Viele Gemeinden gründen Genossenschaften, an denen sich jeder Einwohner (und teilweise auch 'Auswärtige') mit geringen Einlagen ab 100 Euro (typischerweise jedoch 500 bis 1.000 Euro) beteiligen können und vom Gewinn profitieren. Windkraft, Solarenergie und Biogas gelten dabei gleichwertig als 'ökologische Energien'.

Das gemeinsame Interesse kann durchaus über Gemeindegrenzen hinweggehen, wie das Beispiel der Ortschaften Grafenwöhr, Eschenbach und Pressath zeigt: Dort ist eine 'grenzüberschreitende' Interessengemeinschaft entstanden. [2]

Schwieriger, aber für die Zukunft durchaus interessant, ist die Nutzung von Solarenergie fast ausschließlich für den Privatbedarf. Das Problem dabei ist, dass sich Strom schwer speichern lässt. Aber ist das wirklich so? Auch Ihr Auto speichert Strom, in der Autobatterie. Und es ist problemlos möglich, daraus konstante 12 (oder 24) Volt Gleichspannung zu ziehen. Daher gibt es inzwischen Unternehmen, die anstatt komplizierter Technik Blei-Schwefelsäure-Akkus (also Autobatterien) im Verbund in Ihrem Keller installieren wollen. [3] Neue, energiesparende Techniken wie LED-Leuchten und, ja, auch Ihr Computer, arbeiten ohnehin mit Gleichstrom, könnten also energiesparender sein, wenn sie den aus dem Verbundnetz kommenden Wechselstrom nicht erst transformieren müssten. Wir hätten dann Computer und Handys ohne klobige Netzteile. Sie bräuchten keinen komplizierten und wartungsanfälligen Wechselrichter mehr, weil Sie ja nichts ins Netz einspeisen, sondern nur bei Bedarf daraus zukaufen würden. Oder mit Ihrem sonnenbeschienenen Nachbarn die Batterien tauschen.

Ja, werden jetzt die Befürworter der zentralen Energieversorgung sagen, aber was ist denn mit der Industrie?

Die Industrie, würde ich darauf antworten, hatte ein Vierteljahrhundert Zeit, sich auf die Energiewende einzustellen, und hält es nicht für notwendig, das selber zu tun, was sie ihren Verbrauchern abverlangen. Immer noch gibt es Sonderverträge für Großverbraucher mit den Stromunternehmen, zu weniger als einem Drittel der Stromkosten für Endkunden. Die genauen Konditionen sind, natürlich, geheim. Nur machmal kommen Details ans Licht: 'Unternehmen mit extrem hohem Stromverbrauch können die Stromnetze laut dem Gesetz sogar ganz zum Nulltarif nutzen. Dazu müssen sie mindestens 7000 Stunden pro Jahr am Netz hängen und mehr als zehn Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchen', schreibt der SPIEGEL am 12. Dezember 2011. [4]

Also alles 'business as usual' im Jahr 2012? Scheint so, denn Umweltminister Röttgen schweigt. Kauder, Hasselfeldt und Brüderle könnten triumphieren, wenn Solarbegeisterte nicht nach dem Motto handeln: 'Und jetzt erst recht!'.

Ein Kommentar von Alwin Ertl für dieoberpfalz.de.
Kommentare geben ausschließlich die Meinung des Autors und nicht notwendigerweise die der Redaktion oder des Verlags wider.


Fußnoten

[1]
[2]
[3]
[4]
 
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